Wird nun ab demnächst der Strom billiger?

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Wird nun ab demnächst der Strom billiger?

Beitragvon Don Carlos » So 18. Okt 2009, 01:26

Bild

Man sollte es eigentlich annehmen dürfen, wenn in den Koalitionsgesprächen signalisiert wird:
SZ vom 17.10.09…Energiepolitiker von Union und FDP wollen den Energiekonzernen den Einfluss auf ihre Stromnetze nehmen. Die Koalition wolle "die deutschen Übertragungsnetze in einer unabhängigen und kapitalmarktfähigen Netzgesellschaft zusammenführen", heißt es nach Informationen der Süddeutschen Zeitung im Abschlusspapier der Koalitions-Arbeitsgruppe Wirtschaft. …. Damit würden die vier großen Energiekonzerne Eon, RWE, Vattenfall Europe und EnBW ihren Einfluss auf das jeweilige Übertragungsnetz verlieren. Auch wäre Deutschland nicht länger in vier Regelzonen aufgeteilt..“

Dazu auch hier: http://www.spiegel.de/wirtschaft/untern ... 95,00.html

Technisch gesehen ist dies sicher nicht unvorteilhaft und auch machbar, weil sich das auf die Stabilität der Stromversorgung in einem Netz nur positiv auswirken dürfte.
Darüber hatte man sich im vergangenen Jahr schon mal geeinigt.
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/789/315678/text/

Das bringt schon mal einen hohen zweistelligen Millionenbetrag, meinte Stefan Dohler, Chef der ostdeutschen Netzgesellschaft Vattenfall Europe Transmission gegenüber der Süddeutschen Zeitung vor ziemlich genau einem Jahr. Der sinkende Aufwand schlage dann über die Netzentgelte auch auf den Strompreis durch.
(Ja ja, wir tun schon was wir können, wenn sich doch die RWE-Leute nicht so zieren würden, wäre da noch viel mehr rauszuholen. )

Aber: Große Ersparnisse, warnt Dohler, sollten sich Verbraucher davon nicht versprechen. Schließlich wachse parallel der Aufwand zur Einspeisung erneuerbarer Energien. Ja. Nee. Schon klar. Brauchen wir alles selber...

Das Ergebnis hochpolitischer Vereinbarungen zwischen der CDU und der F.D.P. erscheint in einem eigenartigen Licht, wenn man weiß, dass die Idee mit dem Verkauf der Stromnetze ein alter Hut ist, der schon im vergangenen Jahr von der EU-Kommission auf die Stange gehoben wurde.

Das Stromnetz ist schon lange keine rein nationale Angelegenheit mehr.
Bekanntlich ist vor allem Deutschland beim Stromtransport das Transitland Nummer eins in Europa. In keinem anderen EU-Land sind die Schaltpunkte und Kuppelstellen so gut ausgebaut wie hier und nirgendwo laufen so viele Netzstränge zusammen wie in Deutschland. Um diese Bedeutung weiß auch die EU-Kommission. Sie verlangt deshalb von der deutschen Regierung Netz und Erzeugung vom Einfluss der G4 zutrennen.

Eon zoffte sich letztes Jahr mit dem EU-Kommissär, wegen der Ausnutzung seiner Marktstellung. Um um eine Milliardenstrafe herumzukommen, würde sich Eon als erster deutscher Energiekonzern von großen Teilen seines Stromnetzes trennen müssen. Im Gegenzug werden die EU-Wettbewerbshüter ihre Verfahren gegen Eon einstellen.
Der Deal hatte zur Folge, dass die EU nun den Verkauf der Netze erzwingen kann.
Es ist somit sonnenklar, dass in der Folge sowohl auch RWE, Vattenfall Europe und EnBW ihre Netze nicht mehr lange besitzen würden, da sie sich den Markt unter sich praktisch aufgeteilt hatten - also auch nicht besser sind.
Die Entscheidung über den Verkauf fiel also in Brüssel und nicht in bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin!


So weit so gut. Diese Sache tangiert auf den ersten Blick weder den Stromverbraucher noch sind zunächst unmittelbare Auswirkungen auf den Photovoltaiker zu erkennen.
Aber nur auf den ersten Blick… Bild

Die Stromnetze sind seit ein paar Jahren bis ins Detail reguliert. Vorbei ist die Zeit mit den hohen Erlösen und üppigen Renditen, die die Unternehmen aus ihren Stromnetzen zogen. Nur ist davon bei den Gewinnen und Kursen der G4 trotz Krise und trotz Umsatzrückgang nicht viel zu merken, wenn man sich Kurse und Dividenden anguckt.
So unrecht sollte der Verkauf des Netzes den großen Versorgern also nicht sein. Investitionen in die Netzstruktur werfen wegen der Regulierung kaum oder keine Gewinne mehr ab. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht muss das Netz also weg.
Die Investitionen hat man in den letzten Jahren lediglich auf das Notwendige beschränkt, so kann es man den Geschäftsberichten entnehmen. In der Folge verweigert man schon mal den Anschluss von ein paar PV-Anlagen, wie jüngst in Bayern, weil man mit dem Netzausbau nicht hinterher kommt und tut wer weiß wie überrascht ob dieser Entwicklung. Ich möchte auch gern wissen, ob es im Brandenburgischen noch solche Windkraftanlagen gibt, wie die die vor wenigen Jahren mangels Netz nur die Luft quirlten, damit es so aussah, als ob.

Nun, die vier großen Netzbetreiber waren immerhin eingespielt. Der Verbraucher kann nichts machen und nimmt dies knurrend zur Kenntnis – und zahlt, dass die Schwarte knackt. Immer schön treppauf, wie man hier sehen kann: http://www.destatis.de/jetspeed/portal/ ... Print.psml

Schon im Juli wurde bekannt, dass der Stromversorger Vattenfall in Gesprächen über den Verkauf seines deutschen Höchstspannungsstromnetzes steht. "Es wurde ein exklusives Abkommen mit einem Konsortium unterzeichnet, das Goldman Sachs, Allianz und Deutsche Bank umfasst". Im Juli also schon.
Siehe hier: http://www.rp-online.de/public/article/ ... mnetz.html

Und jetzt soll das gleiche Konsortium das gesamte Netz bekommen.
Bild Da stehen bei den G4 außerordentliche Erlöse ins Haus. Das gibt Kurssprünge und fette Dividenden!
Wer ist gleich der Verkäufer? CDU, F.D.P. die Kanzlerin?


Das Konsortium als neuer Eigentümer soll also eine Gruppe von Finanzdienstleistern werden und ein Blick in die Glaskugel ergibt ein sehr klares Bild:
Gewinnmaxmierung steht vor Versorgungssicherheit.
Oder im Klartext:
Ein Minimum für die Aufrechterhaltung des Betriebes für ein Maximum an Entgelten und Durchleitungsgebühren. Ein stabiles Netz, wie wir es heute kennen, dürfte damit der Vergangenheit angehören.
Auch klar, die nehmen freiwillig nur den Netzbestandteil, der den kalkulierten Profit erwarten lässt – das Hoch/Höchstspannungsnetz. Und der Rest?
Einen Wettbewerb wird es nicht geben, kann es nicht geben, wegen der Monopolstruktur, die einem solchen Netz inne wohnt. Es gibt es auch keinen Wettbewerb zu regulieren, zumal es hier keinen Markt gibt und folglich Markwirtschaft nicht funktionieren kann.
Wer es nicht glaubt, möge nach Ostdeutschland blicken und sich die Belastungen der Bürger z. B. für Müll und Abwasser ansehen. Je weniger davon anfällt, weil in den Haushalten an allen Ecken gespart wird, desto höher die Kosten. Alternativen gibt es nicht. Nichtsparen hat den gleichen Effekt.

Da wird aber auch das Dilemma erkennbar:

Lösungen auf der Basis öffentlicher Verwaltungen verhindern den Vorteil unternehmerischen Handelns und sind selten wirtschaftlich.
Nur, wie will der Bund sicherstellen, dass immer und ausreichend und an der richtigen Stelle investiert wird?
Was wird mit den Mittelspannungs- und Niederspannungsnetzen?
Wer kriegt die? Weitere Netzgesellschaften oder als Gratisbeigabe zum Hochspannungsnetz?
Will der Bund soweit eingreifen, dass er sich das letzte Wort bei den Investitionsentscheidungen vorbehält?
Was ist, wenn aus dem Netz kein Gewinn mehr zu ziehen ist und das Konsortium aussteigt – müssen wir dann mit kalifornischen Verhältnissen rechnen?
Will der Bund gar einen Teil des Netzes verstaatlichen, um seinen Einfluss zu sichern?
Aber wovon will er das bezahlen?

Wird in solche Netzabschnitten oder Ausläufern, wie hier im Spreewald überhaupt noch etwas gemacht oder darf man sich an der Neuinvestition mit einem satten Zuschuss beteiligen, wie es verschieden Telekommunikationsunternehmen verlangen und gleichzeitig noch höhere Gebühren löhnen, wegen der verbesserten Versorgungssicherheit oder Infrastruktur?
Oder wird die Stromleitung einfach stillgelegt, wie es die Deutsche Bahn gemacht hat mit Strecken, die sich für sie nicht mehr rechnen.

Gar keine Frage, es gibt auch eine Reihe von Vorteilen, die nicht von der Hand zu weisen sind. Zum Beispiel solche, die sich aus der Lage Deutschlands im europäischen Netz für den Stromtransit ergibt. Es ist auch wahrscheinlich, dass die Durchleitungsgebühren niedriger werden – mit Auswirkungen auf die Verbraucherpreise…
Aber den Zahn sollte man sich schon jetzt ziehen lassen, dass da für den Verbraucher etwas billiger wird. Die Erfahrung aus der Privatisierung der Trink- und Abwasserwassernetze sollte als Beispiel dienen. Nix da, von wegen Privatisierung zugunsten des Verbrauchers. Siehe auch Post, siehe auch Bahn, usw. und nicht zuletzt auch die Auswirkungen der Cross Border Leasing-Verträge.

Ob dieser Netzverkauf auch für den PV-Stromer von Vorteil sein wird, bleibt abzuwarten.

Stromnetz ist Daseinsvorsorge. Solche Infrastruktur hat in privater Hand nichts verloren.
Schlappe 50 Milliarden an Steuergelder lassen sich hier allemal sinnvoller investieren, als sie in maroden Banken zu versenken oder Häppchenweise am Hindukusch zu verballern.

Und das Tafelsilber geht zur Neige…

Zwei Fragen habe ich noch zum Schluss:

1. Was verkaufen wir als Letztes?
2. Was machen wir dann mit der ganzen Kohle?

BildÄhm, welche Kohle...
Gruß D.C.
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Re: Wird nun ab demnächst der Strom billiger?

Beitragvon Luke » So 18. Okt 2009, 11:28

Don Carlos hat geschrieben:
Stromnetz ist Daseinsvorsorge. Solche Infrastruktur hat in privater Hand nichts verloren.
Schlappe 50 Milliarden an Steuergelder lassen sich hier allemal sinnvoller investieren, als sie in maroden Banken zu versenken oder Häppchenweise am Hindukusch zu verballern.



...Deine Ausführungen stimmen nachdenklich, Don Carlos...
...das Stromnetz in staatlicher Hand?...?

...als gar mächtig Regularium zur fleyssig Fürweysung derer vier regulirten Cörper...?

...why not...wenn der Staat funktioniert...

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Re: Wird nun ab demnächst der Strom billiger?

Beitragvon welfenstrom » So 18. Okt 2009, 11:58

Wenn Du schon den Untertitel des Werkes "Perspectiva Corporum Regularium" in leicht modifizierter Form zitierst, dann verrate uns doch auch bitte, worauf genau Du damit anspielst...

Dass Du den Titel dahingehend leicht verändert hast, dass Du "vier Cörper" statt wie im original "fünf Cörper" einbeziehst, ist ja im Hinblick auf die vier Großversorger EON, Vattenfall, RWE und EnBW noch leicht zu deuten, aber der Rest erschließt sich mir nicht, wenngleich ich mir die lateinische Überschrift durchaus zu übersetzen weiß...

...oder vermute ich jetzt mehr dahinter, als wirklich damit gemeint war und wolltest Du den Satz nur für sich sprechen lassen ... ich sehe gerade, wir sind hier ja nicht in der Querdenker-Eckkneipe ... vielleicht hab ich also umsonst gerätselt und um die Ecke gedacht ... aber wie auch immer DCs Gedanken stimmen nachdenklich ...
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Re: Wird nun ab demnächst der Strom billiger?

Beitragvon Luke » So 18. Okt 2009, 12:56

...als gar mächtig Regularium zur fleyssig Fürweysung derer vier regulirten Cörper...?

...sicher spricht dieser schöne, mit Bedacht gewählte Satz für sich...
...und nein, wir sind hier nicht in der Querdenker-Eckkneipe...so what....

...ich erlaube mir dennoch das Querdenkertum aus befriedeten Räumen herauszutragen...

...diese 'nur' 4 Körper können, allein durch die staatliche Netzhoheit, eine Metamorphose ohnegleichen erfahren...
...die, aus Blickrichtung aller Beteiligten & Abhängigen, zu faszinierenden Perspektiven führt...

...so einfach ist das aus meiner bescheidenen Sicht... :)

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Re: Wird nun ab demnächst der Strom billiger?

Beitragvon welfenstrom » So 18. Okt 2009, 18:54

Mein posting war in keiner Weise böse gemeint - aber ich wußte doch, dass Du Dir dabei etwas mehr gedacht hast ... :)

Nun sollen die Netze ja ebenfalls privatisiert werden. Insofern denke ich, dass dabei wieder dieses Konstrukt herauskommen wird, wie bei den Telefonieanbietern auch: Die Bundesnetzagentur wird auch den privatisierten Netzbereich mit abdecken und fertig. Dabei gilt dann wie bisher: "Ihre wesentliche Aufgabe ist dabei die Kontrolle und Genehmigung der Netznutzungsentgelte und der Schaffung des Zugangs zu Stromversorgungs- und Gasnetzen, die sich im Eigentum der Energieversorgungsunternehmen befinden.", nur dass diese Regelung dann auch auf die Betreibergesellschaft(en) für das Netz/die Netze ausgedehnt werden wird. Da die Behörde bis heute keinen entsprechenden Wettbewerb herstellen konnte, habe ich auch keine Hoffnung, dass sie es bei privatisiertem Netz hinbekommen wird.

Wenn diese private Betreibergesellschaft des Netzes dann nur noch das Allernotwendigste für die Erhlatung ausgeben wird, wird für den Ausbau zugunsten der Einspeisung von Strom aus regenerativen Quellen kaum oder gar kein Geld übrig sein. Falls dann der Staat Druck machen möchte, fängt sicher wieder das Gejammer an, dass dies entweder Arbeitsplätze kostet oder aber auf die Endverbraucher abgewälzt werden muss. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass wir am Ende der Leitung dabei weniger bezahlen werden als vorher oder dass diese Lösung ökologisch sinnvoller ist. Für mich sieht es bei der Privatisierung aller lebensnotwendigen Versorgungsunternehmen genauso aus, wie DC es bereits beschrieben hat: Es wird teurer und es wird schlechter. Warum wohl versuchen zur Zeit so viele Kommunen ihre Netze wieder zurück zu kaufen? Warum wohl gibt es auch beim Wasser durchaus den Trend, die Versorgung den privaten Betreibern wieder wegzunehmen und wieder in kommunale Hände zu legen?



Nun wüßte ich gern, welche faszinierenden Perspektiven Du, luke, im Sinn hast...
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Re: Wird nun ab demnächst der Strom billiger?

Beitragvon Don Carlos » So 18. Okt 2009, 23:30

welfenstrom hat geschrieben:... Nun sollen die Netze ja ebenfalls privatisiert werden. Insofern denke ich, dass dabei wieder dieses Konstrukt herauskommen wird, wie bei den Telefonieanbietern auch: Die Bundesnetzagentur wird auch den privatisierten Netzbereich mit abdecken und fertig...


Hallo WS,

vielleicht bist Du hier nicht noch ganz auf der richtigen Spur :?:
Bei den Stromnetzen wird nix mehr privatisiert. Die sind schon privat.
Die Privatisierung begann spätestens seit der ursprünglich deutsch-preussische Staatskonzern Vereinigte Elektrizitäts- und Bergwerks AG (VEBA) in eine börsennotierte Akteingesellschaft umgewandelt wurde. Richtig fett wurde der Braten nach dem die Treuhand das ostdeutsche Netz an Vattenfall verkaufte und nach der Liberalisierung der Stromlandschaft 1998.
Bis dahin sah das so aus: http://www.udo-leuschner.de/basiswissen/SB133-09.htm

Diesmal geht es jedoch darum, den Energietransport von der Energieerzeugung - also Kraftwerke und Stromnetz zu trennen. Die Netzinfrastruktur soll einen anderen Eigentümer erhalten.

Wie das alles bisher zusammenspielte ist sehr schön in diesen Dokumenten dargelegt.
http://www.wiwi.uni-muenster.de/vwt/Ver ... emarkt.pdf
und
http://www.uni-leipzig.de/~iffwww/fiwi/ ... mmarkt.pdf

Ist etwas mühsam dort die Basis für denkbare zukünftigen Strukturen herausfiltern zu wollen, die sich aus der Heraustrennung und dem Verkauf des Netzes ergeben, denn die Bestimmungen und Regulative gehen vom Netz als integrierten Bestandteil der Stromversorgung Deutschlands aus und lassen sich folglich schlecht auseinanderdividieren.

Aber vielleicht kommt alles noch ganz anders…
Jedenfalls dürfte mit Blick auf die eben frisch gewählten Lobbyisten äh, Volksvertreter ziemlich blauäugig sein zu vermuten, dass statt windelweicher und untransparenter Anreizregulierungen beinharte Gesetzesvorgaben herauskämen.
Es wäre in den 60 Jahren BRD-Geschichte ein echtes Novum, wenn sich Goldman-Sachs, die Deutsche Bank oder die Allianz von der Regierung etwas anderes vorschreiben lassen, als sie in der entsprechenden Gesetzesvorlage nicht selber mit entworfen oder abgesegnet haben. Aber ich irre an dieser Stelle sicherlich. Ganz bestimmt sogar...

Allerdings dürfte auch nicht ganz unbemerkt geblieben sein, dass beispielsweise die von der Regierung eingesetzte Bundesnetzagentur bisher mehr oder weniger nach Gutdünken mitteilt, welche Entscheidungen sie aus welchen Gründen getroffen hat. Die Anträge der Netzbetreiber werden ebenso geheim gehalten. Von den Genehmigungen selbst erfährt man nichts. Die sich daraus ergebenden Netznutzungsentgelte werden viel zu kurzfristig veröffentlicht und zum Teil sogar rückwirkend angepasst.
Ein Schelm, wer da unterstellt, dass für Anbieter und Kunden nicht erkennbar sein soll, welche Zusatzkosten unvermeidbar sind und wo Einsparmöglichkeiten bestehen – insbesondere etwa in Folge der Wirtschaftskrise oder Netzausbau oder erneuerbare Energien.


Ich habe ernste Zweifel, dass sich an dieser Praxis nach einem Verkauf der Netzinfrastruktur auch nur einen Deut etwas ändern wird.
Am Ende bleiben die im Eingangsposting aufgeworfenen Fragen übrig und auch noch hunderte andere.

Die kardinale Frage besteht über allen anderen: Qui bono?

Ach nein, die hat sich wohl schon von selber beantwortet……….. Bild
Gruß D.C.
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Re: Wird nun ab demnächst der Strom billiger?

Beitragvon welfenstrom » Mo 19. Okt 2009, 11:45

Nichts anderes hatte ich gemeint. Wenn man mein posting liest, muss man allerdings denken, ich hätte den Weg von etwas Stattlichen hin zu etwas Privatem beschreiben wollen. Sieh's meinem noch arg verschnupften Kopf nach ... Nur eins vielleicht noch: An der Leipziger Strombörse ist der Großhandelspreis für Strom gegenüber dem letzten Jahr um 50% günstiger geworden. Privatabnehmer zahlen aber im Schnitt etwa 8% mehr. Auch wenn das himmelschreiend ungerecht ist, scheint das niemanden zu kümmern... Insofern kann ich das, was Du über unsere gewählten Lobbyisten gesagt hast nur noch einmal unterstreichen.
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Re: Wird nun ab demnächst der Strom billiger?

Beitragvon Don Carlos » So 27. Apr 2014, 21:26

Das Ministerwort: ...Die Wahrheit ist, dass die Energiewende kurz vor dem Scheitern steht.

http://www.youtube.com/watch?v=y7Ca72-WxuI

Geahnt habe ich das schon eine ganze Weile. Und deshalb habe ich den etwas angestaubten Thread wieder hervorgekramt.


Wirtschaftsminister Gabriel (SPD) am 16.04.2014 bei SMA: Alle müssen künftig die EEG-Umlage zahlen – egal, ob sie ihren Strom irgendwoher kaufen oder selbst machen...

Das hat zur Folge, dass die Kalkulationen der getätigten Investitionen nicht mehr stimmen.
Damit wird Autarkie zum hellen Wahnsinn, was vorher der Sinn war.
Gehts noch?

Herr Minister, bitte:WER GENAU IST ALLE UND WER NICHT?

Als Nächstes rechne ich nunmehr sehr stark damit, auf die in meinem Garten selbsterzeugten und selbstverspeisten Erdbeeren und Kartoffeln Mehrwertsteuer abführen zu müssen,
um am Ende nicht gehöneßt zu werden.

Wer ein zukunftsweisendes Projekt, wie es die Energiewende darstellt, ohne klares Konzept durchziehen will, handelt verantwortungslos gegenüber der Bevölkerung, der Industrie und der Umwelt und deren Zukunft. Ich kann ein tragfähiges Konzept noch immer nicht erkennen, auch nicht nach der Novelle des EEG, die am 1. August 2014 in Kraft tritt.. Bei derartig dunklen Wolken am Horizont macht Solarenergie keinen Sinn mehr.

Gruß
D.C.
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Re: Wird nun ab demnächst der Strom billiger?

Beitragvon welfenstrom » So 27. Apr 2014, 21:42

Ich hatte inständig gehofft, dass eine Regierungsbeteiligung der SPD zu der besetzung des Umweltministeriums durch die SPD führt und die Energiewende damit doch noch zum Erfolg geführt werden kann. Ich war froh, als die SPD dann wirklich das Umweltministerium besetzte. Tatsache ist nun aber, dass der Harzer Roller sich als der mit Abstand dümmste Umweltminister entpuppt hat, der jeh auf diesem Sessel gesessen hat. Noch strukturloser, zerfahrener und vor allem kontraproduktiver kann man die Energiewende kaum betreiben. Die Energiewende ist damit nicht kurz vor dem Schweitern, sie ist damit faktisch gescheitert.

Traurig aber wahr: Die Politik lässt sich von den Energiekonzernen am Nasenring durch die Arena zerren. Was für ein armseliges Bild ...
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Re: Wird nun ab demnächst der Strom billiger?

Beitragvon schmalhans » Di 9. Jun 2015, 20:10

Tja nun wissen wir, dass es eigentlich nur heisse Luft war. Hoffentlich lassen sich nicht zuviele von irgendwelchen Firmen blenden.
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Re: Wird nun ab demnächst der Strom billiger?

Beitragvon Sonnenertrag » Mi 17. Jun 2015, 18:04

welfenstrom hat geschrieben:Die Energiewende ist damit nicht kurz vor dem Schweitern, sie ist damit faktisch gescheitert.


Sehe ich nicht ganz so schlimm.

Schlimm ist, dass viele PV Hersteller und auch PV Installateure Konkurs gingen, oder noch Konkurs gehen.

Ansonsten wurde der Umstieg auf erneuerbare Energie nur auf unbestimmte Zeit verschoben. Es wird neue Politiker und auch neue Politik geben. Die "Erneuerbaren" können zwar stark eingebremst werden, aber aufhalten kann die Wende niemand. Weder Holzkopf noch Schweinskopf vermögen dies.
Wir die an die erneuerbare Energie glauben, müssen einfach Geduld aufbringen. Die Energiewende wird sicherlich noch ein paar Jahre brauchen, aber dann bricht sie aus wie ein Vulkan. :sun:
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Re: Wird nun ab demnächst der Strom billiger?

Beitragvon welfenstrom » Mi 17. Jun 2015, 22:18

Die energiewende ist ja kein Selbstzweck. Sie ist eine Notwendigkeit, um den Klimawandel auf einem erträglichen Niveau einzubremsen - und genau deshalb ist eben keine Zeit für Geduld. Ich zitiere hier einmal einen Artikel aus dem Spiegel online Wissenschaft aus 06/2014:

Die energiebezogenen CO2-Emissionen steigen von 2011 bis 2035 um 20 Prozent an", mahnt die Internationale Energieagentur (IEA). "Damit würde sich die Welt weiterhin auf einen langfristigen durchschnittlichen Temperaturanstieg von 3,6 Grad Celsius zubewegen, der weit über der international vereinbarten Zwei-Grad-Grenze liegt." Die CO2-Emissionen würden dann 2035 doppelt so hoch liegen wie 1990.


Ich glaube kaum, dass sich heute jemand vorstellen kann, wie die Welt bei einer durchschnittlichen Temperaturerhöhung um 3,6°C aussehen wird - und vor welchen extremen Verwerfungen unsere Zivilisation dann stehen wird. Millionen, wenn nicht Milliarden Menschen werden dann verhundern und verdursten. Das alles hätte nur verhindert werden können, wenn unsere Politiker intelligente Menschen wären, die Gefahren nicht nur dann begegnen, wenn sie bereits unmittelbar davon betroffen sind. Wie man in dieser Situation dem "Sieg der erneuerbaren Energien" in der Zukunft noch freudig entgegensehen kann, ist mir nicht klar. Insofern kann ich Deinen Optimismus nicht nachvollziehen.

Mal ganz konkret gesprochen: Ich kann bereits zu meiner eigenen Lebenszeit die Folgen dieses Klimawandels am eigenen Leib spüren. In der Gegend Deutschlands, wo ich wohne, sind die Frühjahre inzwischen extrem trocken geworden. Wir haben 2015 nicht einmal 40% des Regens gehabt, der eigentlich zu erwarten gewesen wäre - und wir haben das Gefühl, dass es jedes Jahr schlimmer wird. Hier ist es so knochentrocken, dass die Bauern bereits verzweifelt gegen die Dürre Grundwasser pumpen und die Felder wässern - und auf Grund der Beschränkungen, wie viel Grundwasser entnommen werden darf, ist jetzt schon klar, dass wenn diese Trockenheit anhalten sollte, die Feldfrüchte vertrocknen werden, weil einfach nicht genug Wasser da ist, um diese extreme Form der künstlichen Bewässerung bis in den Sommer durchzuhalten. Ich weiß gar nicht, wie das in vielleicht zwanzig Jahren aussehen wird und ich will es mir besser auch gar nicht ausmalen. Für Geduld auf die Energiewende fehlt mir da aber das Verständnis ...

Noch ein Beispiel: Das westantarktische Eisschild hat seinen Kipp-Punkt überschritten. Das bedeutet, dass es für dieses Eisschild unumkehrbar zu Ende geht, egal wie sich der CO2-Ausstoß in der Zukunft verändern wird: Das gesamte Eisschild wird ins Meer rutschen und den Meeresspiegel um mindestens drei Meter (!!!!!) steigen lassen - und das ist keine Prognose, sondern Fakt: http://www.scilogs.de/klimalounge/westa ... kipppunkt/ Du kannst ja gerne mal in der Karte nachschauen, welche Teile Norddeutschlands dann im Meer versunken sein werden. Darüber hinaus hat das dann auch unmittelbare Auswirkungen auf Sturmfluten an der Nordseeküste, auf die Heftigkeit von Hurricans in Amerika und so weiter, und so weiter.

Deine Geduld in Ehren - aber jedes Jahr, das wir weiter auf die Energiewende warten müssen bedeutet, dass auf der Welt überall solche Kipp-Punkte überschritten werden, die zu immer weiteren Katastrophen führen werden, da sich heute noch stabile Zustände des Klimas / der Eisschelfs etc. nach solchen Kipp-Punkten eben nicht mehr stabilisieren lassen. Ist ein Kipp-Punkt überschritten, gibt es keinen Weg mehr zurück und genau deshalb haben wir eben nicht mehr die Zeit, auf die Energiewende zu warten und genau deshalb verspielen unsere Politiker gerade die Lebensbedingungen auf dieser Welt für die nachfolgenden Generationen.

Für diejenigen, die sich genauer mit diesem Phänomen der Kipp-Punkte auseinandersetzen wollen, empfehle ich das Buch "Wir Wettermacher" von Tim Flannery.
welfenstrom
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Re: Wird nun ab demnächst der Strom billiger?

Beitragvon Hasenbaer » Fr 19. Jun 2015, 11:39

Hy welfenstrom,

Saustarker Text; stimm ich dir zu 100 % zu und gibts für mich nichts dran zu rütteln,dabei fällt mir auf das man hier im Forum kein Butten hat um einfach mal nen Dicken Daumen für diverse Beiträge abzusetzten.....Der hätte es verdient.


Also Danke für diesen Beitrag.


Grüsse hase......
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Re: Wird nun ab demnächst der Strom billiger?

Beitragvon Südwestsonne » Fr 19. Jun 2015, 16:07

Hasenbaer hat geschrieben:Hy welfenstrom,

Saustarker Text; stimm ich dir zu 100 % zu und gibts für mich nichts dran zu rütteln... mal nen Dicken Daumen für diverse Beiträge abzusetzten.....Der hätte es verdient.


Also Danke für diesen Beitrag.


Grüsse hase......


Das sehe ich genauso.

Gruß Mario
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Re: Wird nun ab demnächst der Strom billiger?

Beitragvon schmalhans » Di 14. Jul 2015, 13:39

Durch bessere und energiesparende Geräte kann man auch heute schon viel machen. Ich spreche hier aus Erfahrung. Auch mit LED-Lampen kann man sehr viel machen :-)
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